Drei Dimensionen der Digitalisierung (Teil 1)

Mit dem Begriff Digitalisierung lässt sich derzeit immer Aufmerksamkeit erwecken, weil sich inzwischen jeder davon betroffen fühlt. Oft ist aber nicht klar, um was es eigentlich konkret geht.
Drei Dimensionen gehören zu diesem Phänomen, wie unsere Abbildung zeigt: Daten, Technologie und Prozesse.

Die drei Dimensionen der Digitalisierung

DIMENSION 1: DATEN

1. Vom Wert der richtigen Daten

Ohne Daten keine Digitalisierung, das ist klar. Aber welchen Anforderungen müssen diese Daten genügen?

Zu allererst müssen sie richtig und vollständig sein. Das hört sich an wie eine Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht. Nimmt man zum Beispiel ein Handelsunternehmen, das einen Artikel einzeln und als Gebinde verkauft und stelle man sich vor, dass ein Kunde einen Einzelartikel haben möchte aber nur noch ein 5er Gebinde im Lager liegt. Öffnet die für die Disposition zuständige Person die Verpackung, entnimmt einen Artikel und scannt den auf der Verpackung befindlichen Strichcode, sind die erhobenen Daten falsch. Das System registriert die Entnahme des Gebindes und nicht die eines Artikels. Damit stehen im System falsche Bestände und es werden im Falle einer automatisierten Nachbestellung auch falsche Mengen bestellt.

Tagtäglich lässt sich an Supermarktkassen beobachten, dass bei größeren Gebinden z. B. einer Palette unterschiedlicher Sorten Jogurt nur ein Becher aus der Verpackung genommen, gescannt und dann eine Mehrfacheingabe getätigt wird, weil das Gesamtgebinde nicht im Warenwirtschaftssystem hinterlegt ist. Die Folge: Es werden 16 gleiche Sorten Jogurt gebucht, obwohl 4 unterschiedliche gekauft wurden. Die im Warenwirtschaftssystem geführten Bestände sind falsch und damit alle Auswertungen zum Absatz der Sorten und zur Nachbestellung.

Eine weitere Verarbeitung der Daten z.B. eine Strukturierung, Visualisierung oder auch Verknüpfung mit anderen Daten kann man sich sparen, weil alle Aktionen zu falschen Ergebnissen und Schlussfolgerungen führen.

Die drei Dimensionen der Digitalisierung

2. Ohne Vorstellung, was mit den Daten geschehen soll braucht man sie nicht.

An vielen Stellen werden Berge von Daten erfasst. Alleine das hat aber keinen Nutzen. Man muss eine Vorstellung davon haben, was man mit den Daten anfangen möchte, denn nur dann lassen sie sich vernünftig strukturieren.

Die Tatsache, dass man beim Kochen einen Berg unterschiedlicher Lebensmittel und Gewürze vor sich liegen hat, garantiert ja auch kein gutes Essen. Es bedarf auch hier der Vorstellung, was man denn für ein Geschmackserlebnis erzielen möchte. So wie aus dem Berg von Lebensmitteln die für das jeweilige Gericht relevanten ausgewählt werden, so muss auch eine Vorstellung über die Verwendung von Daten bestehen.

Bleiben wir bei dem Beispiel des Supermarktes, der seine Daten über den Abverkauf des Jogurts jetzt richtig erfasst hat. Um auf der einen Seite die Kundenwünsche möglichst vollständig erfüllen zu können, andererseits aber auch nicht Produkte wegen Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatums entsorgen zu müssen, sollte der Bestand der jeweiligen Jogurtsorten möglichst der Nachfrage der kommenden Tage entsprechen. Die Analyse der Verkaufsverläufe unterschiedlicher Jogurtsorten hat ergeben, dass diese vom Wetter, den Wochentagen und den Schulferien abhängen. Das bedeutet, dass bei der Nachbestellung nicht nur die Bestandsdaten berücksichtigt werden sollten sondern auch die Wochentage, die Schulferien und eben das Wetter. Es gilt also diese Daten entsprechend zu strukturieren und zu verketten.

Autor: Prof. Dr. Thomas Meuche

In unserem nächsten Blogbeitrag erfahren Sie mehr über die Dimension 2: Technologie

 

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